Stefanie Jahn

Lektorat • Content Design

Warum wir Verben brauchen

Die Bedeutung von Verben

Das Wort „Verb“ stammt vom lateinischen Wort Verbum ab. Verbum bedeutet Wort oder Ausdruck.
Synonyme im Deutschen: Tätigkeitswort, Tuwort oder Tunwort
Als Prädikat gehört es zum Kern des Satzes.


Diese verschiedenen Verben gibt es:

  • Vollverben: schreiben > Ich schreibe einen Text.
  • Hilfsverben: haben, sein, werden > Ich habe einen Brief geschrieben.
  • Modalverben: müssen, können, wollen, dürfen, sollen, mögen >Ich muss eine Nachricht schreiben.
  • Trennverben: aufschreiben > Ich schreibe meine Gedanken auf.
  • Kopulaverben: sein, werden, bleiben, … + Nomen/Adjektiv: Ich bin Lektorin. Du siehst gut aus.

 

Verben drücken aus:

  • einen Zustand: sein, leben > Ich bin glücklich. Ich lebe in Bremen.
  • eine Tätigkeit: kochen > Ich koche für dich.
  • einen Prozess/Vorgang: sterben > Er ist gestorben. Die Blätter fallen.

 

Warum du mehr Verben in deinen Texten benutzen solltest:

Sie machen deinen Text lebendig, denn sie können aktive Handlungen darstellen,
sie können Phänomene lautmalerisch ausdrücken. Beispiele sind rascheln, knistern und tippen. Sie sind zugänglicher und wirken nicht so sperrig wie Nominalkonstruktionen.

 

Kennst du schon die sprechenden Verben?

Sprechende Verben sind aussagekräftige Verben. Durch sprechende Verben können wir den Text erleben. Sie lassen uns den Vorgang spüren und wir fühlen nahezu wie jemand krächzt oder etwas auf ein Blatt Papier gekritzelt wird.

Sprechende Verben:

  • sind aussagekräftig
  • machen den Text lebendiger
  • können lautmalerisch sein und die Sinne anregen
  • ersetzen Nominal- und Adjektivkonstruktionen

 

Beispiele:

  • undeutlich schreiben > kritzeln: Sie kritzelte ihren Namen auf ein Stück Pappe.
  • flehen > winseln: Er winselte in mein Ohr.
    heiser sprechen > krächzen: Sie krächzte in das Mikrofon.

 

Schon mal was von Vampirverben gehört?

Laut Hans Peter Roentgen (Was dem Lektorat auffällt)
gibt es 7 Vampirverben:
Anfangen, beginnen, versuchen, bekommen, spüren, scheinen und befinden.


Was wir über Vampirverben meinen zu wissen:

  • Gegen sie hilft kein Knoblauch, sondern nur die Löschtaste.
  • Sie saugen die Lebendigkeit aus den Sätzen.
  • Sie tarnen sich manchmal als nette Helferlein.
  • Beim Schreibfluss können sie tatsächlich hilfreich sein.
  • Beim Überarbeiten sollten sie möglichst entfernt werden.


Beispiele:

  • Spüren: Sie spürte, wie sich ihr Puls in ihren Adern beschleunigte. > Ihr Puls pochte immer schneller.
  • Versuchen: Er versuchte, die richtigen Worte zu finden, um es ihr zu sagen. > Das kannte sie nicht von ihm. Er stammelte regelrecht. / Die richtigen Worten kamen nicht über seine Lippen. / Er schwieg, bis es aus ihm herausbrach.
  • Anfangen: Die Morgensonne fing an, ihre Strahlen auszubreiten. > Die Morgensonne breitete sich aus. / Die warmen Strahlen der Morgensonne krochen langsam durch jede Ritze.


Die Inquitformel:

Lat. inquit = er sagte, markiert die direkte oder indirekte Rede durch einen Erzähler entweder durch ein verbum dicendi = ein Verb der Äußerung (er sagte) oder durch ein verbum credendi = Verben des Denkens, Fühlens oder Wahrnehmens (er dachte).

Beispiel:

Sie sagte, dass sie kein Fleisch essen wolle.

 

Viel Spaß, tob dich aus und belebe deine Texte mit Verben. Lass sie tanzen, lachen und vielleicht auch mal weinen.

Bis dahin herzliche Grüße,
Stefanie

© 2021 Stefanie Jahn